Hawaiianische Körperarbeit, Massage
 

      

 

Hawaiianische Körperarbeit

Die Grundlage: "Flying"

Mit "Flying", Fliegen, als Grundlage der hawaiianischen Körperarbeit ist der Navigatorenschritt gemeint, eine flotte, komplexe Bewegungsübung, die Koordination, Balance und Fließen im Körper und in der Psyche bewirkt. Es stammt aus der uralten Kahuna-Tradition, der Ausbildung für Navigatoren und ist gleichzeitig auch ein Medium in der hawaiianischen Kampfkunst. Der Name Fliegen bezieht sich auf den Fregattvogel, der morgens von den Klippen losfliegt, den ganzen Tag mit wenigen Flügelschlägen über dem Meer segelt und erst abends wieder ans Land zurückkehrt. Anders als z.B. Möwen kann er sich nicht auf dem Wasser niederlassen. Auch beim Flying kann man erleben, wie einen schließlich die Bewegung ohne Anstrengung fast unendlich weiterträgt; und wie sich durch die fließende Bewegung Türen zu neuen Bewusstseinsebenen im Innern öffnen. Veränderungen im körperlichen Bewegungsmuster bewirken auch sofort Veränderungen und Ausdehnung auf der psychischen Ebene. Der Körper kommt in Balance, alle Sinne werden klar und aktiv, das Bewusstsein dehnt sich aus, neue Kraftquellen tun sich auf.

Die Navigatoren:

"STAR COME - STAR GO, ISLAND COME - ISLAND GO. I AM THE CENTER OF THE UNIVERSE" war das Bewußtsein der Hawaiianischen Navigatoren-Kahuna jede Minute ihres Lebens. Bevor sie etwas über die Sterne, den Wind das Meer, seine Strömungen, Tiefen und Untiefen lernten, mussten sie zuerst sich selber in allen Tiefen kennen. Ihr spezielles Körpertraining mit verschiedenen "Schritten", wie z. B. der Fregattvogel-Schritt, diente dazu, vollkommene Balance und Beweglichkeit des Körpers zu erreichen und gleichzeitig alle Ebenen der Psyche kennen zu lernen und zu integrieren.

Wenn sie dann später mit ihren ganzen Sippen auf den Schiffen unterwegs zu neuen Inseln waren, mussten sie vollkommen in Balance und innerlich zentriert sein, durften sich nicht von ihrem oft unberechenbaren Häuptling oder einer drohenden Gefahr irritieren lassen, sondern sie mussten unbeirrt mit ihren wachen "übersinnlichen" Fähigkeiten den Kurs weisen, den sie als richtigen erkannt hatten. Dank ihrer Ausbildung konnten sie selbst am Tage die Sterne sehen und z.B. am Geschmack des Meerwassers erkennen, in welchem Teil des Meeres sie sich befanden. In erster Linie verstanden sie sich jedoch als Steuerleute durchs Meer des Lebens.

Durch ihr tiefes Verständnis des eigenen Körpers und der Vorgänge in ihrer Psyche gelangten die Navigatoren zu einem ebenso tiefen Verständnis aller Lebewesen und aller Vorgänge in ihrer Umwelt. Denn sie sahen auch alle "Dinge" als lebendige Wesen, die nach den gleichen Prinzipien funktionieren, wie sie selber. Mit diesem Gefühl für sich selber und für alle Wesen waren sie schließlich Experten für elegantes Navigieren, draußen in der Weite des Ozeans, aber genauso an Land in allen anderen Bereichen des Lebens.

Kahuna Abraham Kauaii (Aua'ia Maka'i'ole, er ist hier mit "Kahu" gemeint) selber ein Navigator-Kahuna aus Hawaii, erzählt:
"Navigatoren in den alten Tagen mussten höchste Meister sein, denn sie hatten schwere Verantwortung draußen auf dem Ozean. Ihre Fähigkeit hielt alle am Leben. Und sie benötigten Fertigkeiten jenseits der Kenntnis der Elemente und jenseits der Selbstkenntnis. Sie mußten die Häuptlinge verstehen, denn viele Häuptlinge waren völlig unberechenbar. Also wurden sie in ihrem Handwerk trainiert, sich selbst zu übertreffen, damit es zu keinen Fehler kommen konnte.
Um eine Vorstellung von der Tiefe ihrer Fähigkeiten zu geben: Die meisten der großen legendären Navigatoren waren blind. Ihre Sinne waren geschärft, sie kannten den Namen einer jeden Welle auf dem Meer, woher sie kam und wohin sie ging. Und sie kannten den Geschmack eines jeden Teils des Ozeans, und so navigierten sie also, nach dem Geschmack, nach dem Gefühl der Wellen, die gegen das Boot schlugen. Jede Welle hatte einen Namen, jede Welle kam von einer bestimmten Insel.
Diese Übung (das Flying) bringt dich körperlich ins Gleichgewicht. Wenn du das erreicht hast, heißt das, dass du bewusst und unbewusst Gleichgewicht in deiner Psychischen Basis erreicht hast.
In dieser Bewegung kann man einen Zustand von persönlicher körperlicher und psychischer Glückseligkeit erleben; dann, wenn alles in Balance ist, in einem völligen kosmischen Gleichgewicht. Das ist der Zustand, in dem die meisten Heilungen geschehen überall auf der Welt."

Eigentlich ist es ein Paradox, über Hawaiianische Körperarbeit zu schreiben. Die heutigen Hawaiianer und auch mein eigener Lehrer haben, obwohl sie hochgebildet sind, niemals die "Techniken" und "Lehren" der Navigatoren oder die Hawaiianische Körperarbeit in Büchern beschrieben. Nicht etwa, weil es geheimes Wissen wäre, das nur wenigen Eingeweihten vorbehalten sein soll, sondern weil es kein Wissen ist, das auf der reinen Verstandesebene weitergegeben werden kann. Hawaiianische Körperarbeit in Büchern zu beschreiben ähnelt dem Versuch, Wasser in einem Sieb zu fangen. Das geht; aber nur, wenn man es gefriert. Und was erfahren wir dann über die Flüssigkeit des Wassers?

Der Unterricht: Worum es geht

Es ist die Praxis, aus der gelernt wird. Die Schüler werden in Situationen gestellt, in denen sie direkt aus ihrer eigenen Erfahrung lernen können. Nur das Wissen, das wir mit unserem Körper gefühlt haben, haben wir wirklich zur Verfügung, ist wirklich unseres. Deswegen ist Körperarbeit einer der effektivsten Wege zu wirklicher Veränderung.

In den früheren Tagen lief fast der ganze Unterricht nonverbal ab. "Es gab niemanden, der einem auf die Schulter klopfte und sagte: Das hast du gut gemacht. Also hast du erreicht, was immer in diesem Moment zu erreichen war, dann kam das Nächste. Und es gab auch keine Erklärung, was man erreichen sollte. Grundsätzlich gibt es also keine Ziele. Es gibt nur die Totalität deiner selbst. Und das ist im Grunde, worum es geht. Das einzige Zeichen, woran man damals merken konnte, dass man Fortschritte gemacht hatte, war, dass man eine neue Aufgabe bekam," erzählt Kahu. Wir machen das heute mit ein paar Worten mehr, aber das Prinzip ist das selbe.

"Es geht also um das Meistern deiner selbst. Denn du musst selber wissen, wer du bist. Mit jedem Wort, jeder Bewegung, jeder Handlung sagst du dir selber, wer du bist. Du musst wissen, wer du bist. Niemand anderes kann es dir sagen.

Sind die SchülerInnen durch Flying, Selbstbeobachtung und vieles andere zu körpelicher und seelischer Balance, einem gewissen Verständnis für ihren Körper und ihren eigenen Kosmos gelangt, können sie ihre Fähigkeiten auch am "Tisch" (der Massageliege für Körperarbeit) ausüben.

Ein mindestens ca 10-tägiges Training nach traditionellem Kahuna-Training ermöglicht den Praktizierenden der Hawaiianischen Körperarbeit neue Ebenen zu erreichen um diese machtvolle Arbeit an der Massageliege verantwortungsvoll ausführen zu können.

 

© Elisabeth Müller-Schwefe

 

 

   

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