Hawaiianische Körperarbeit, Massage
 

      

 

Kahuna - Die Schamanen Hawaiis

Ungekürzte Fassung des Artikels in Connection Spezial III / 2000, Schamanismus. Von Elisabeth Müller-Schwefe.

"Kahuna - hawaiianische Zauberpriester, denen u.a. außergewöhnliche Feuerunempfindlichkeit nachgesagt wird", - das Wort Kahuna beschreibt also eine Dienstleistung, formulierten die Markenhüter des deutsche Patent- und Markenamtes, als ich eine Wortmarke anmelden wollte. Damit lagen sie unwissentlich gar nicht so falsch. Denn Kahuna sind Teil der hawaiianischen Kultur und Träger der uralten Weisheit auf Hawaii. Mit ihrem fachmännischen Können erfüllten und erfüllen sie gleichzeitig die alltäglichen, Bedürfnisse ihres Volkes auf spezifisch hawaiianische Art: Z. B. konnte ein Kahuna Größe und ganz genauen Ort eines Fischschwarms fast auf den Fisch genau sagen, und auch die Art von Netz, die benötigt wurde, so daß die Fischer nur noch hinzufahren und einzusammeln brauchten.

Normalerweise sagt man, Kahuna - das sind die Schamanen Hawaiis. Bis vor wenigen Jahrzehnten sprach man von ihnen dort als von großen, machtvollen Magiern, die Unerklärliches wirken können und mit allen guten oder auch bösen Mächten in Verbindung stehen. Tatsächlich sind Kahuna Menschen mit außerordentlichem Können, Frauen und Männer, Meister ihres Fachs "jenseits der normalen Meisterschaft von Menschen."* Sie sind für ihr Land die höchsten derzeit lebenden Experten in ihrem Gebiet, sowohl technisch als auch spirituell.

Allein schon in den Heilkünsten gab es bis vor 100 Jahren weit über ein Dutzend verschiedene Kahuna. Da gab es z.B. den Knocheneinrichter, den Massageexperten, Zahnarzt, einer, der mit Kräutern heilt, Geburtshelfer, einer, der durch Handauflegen diagnostiziert, Kinder-Heilkundiger, usw.. Und dann die Experten der verschiedenen Handwerke wie Schiffbauer, Hausbaumeister, Fischnetz-Experte, Navigator, Experte für Kriegsstrategie; und auch Priester, politischer Berater, Musiker, Prophet, Traumdeuter, Magier, und so weiter.

Kali'ohe Kame'ekua (1816 - 1931) von der Insel Moloka'i erzählt: "Der Schüler, der bei so einem (Kahuna) gelernt hatte, bekam diesen Titel nicht, selbst wenn er viele Jahre gelernt hatte. Erst wenn ein alter Kahuna kurz davor stand, aus dem Leben zu gehen, bestimmte er, wer ihm folgen sollte. Wenn ein Schüler hochgradig mit Weisheit und schneller Auffassungsgabe gesegnet war, rief ihn der Kahuna an seine Seite, blies in seinen Mund und gab ihm Wissen weiter, das im Unterricht nicht gelehrt worden war. Wenn der Älteste seinen letzten Atemzug getan hatte, nahm der neu designierte seine Pflichten auf. Derjenige, der alle anderen übertraf, wurde der Hüter des Geheimnisses."*

Der Kahuna Aua'ia Maka'io´le, Uliama, (Abraham Kawaii) ist einer der ganz wenigen, die noch im alten Stil ausgebildet wurden. (Er ist gemeint, wenn im Folgenden von "Kahu" die Rede ist. Kahu bedeutet Mentor, Wächter, Hüter und wird als Anrede für einen Kahuna benutzt.) Er erzählte uns über seine eigene Ausbildung, daß immer, wenn die Schüler einen bestimmten Stand erreicht hatten, diese Stufe mit einer Graduation, einer Initiation abgeschlossen wurde. Die verschiedenen Initiationen waren meistens Prüfungen auf Leben und Tod. Wenn der Prüfling der Aufgabe nicht vollkommen gewachsen war, z. B. eine giftige Substanz zu trinken, war das natürliche Ende seiner Kahuna-Karriere. Denn wenn ein Mensch so weit gekommen ist mit seinem Können -und dieses Können beinhaltet eine ungeheure Macht- und dieser Mensch sein Können, seine Macht und sich selber nicht vollkommen beherrscht, ist er eine zu große Gefahr für andere.

Eine Basis, die Hawaiianische Kahuna mit allen Schamanen der Welt teilen, ist das Verständnis und die Anwendung der in der Natur wirkenden Prinzipien. Ein Kahuna ist also nicht nur ein Experte in seinem Fach, der alles gelernt hat, was in seiner Tradition darüber gelehrt wurde und es selber weiterentwickelt, das auch; er hat darüber hinaus alle sinnlichen und übersinnlichen Quellen zur Verfügung, die sein Gebiet in irgend einer Weise berühren. Gleichzeitig ist er seine Kunst, verkörpert sein Fach vollständig durch sein Leben, ist sozusagen der Archetyp. (Was nicht heißt, daß er nur einen Archetyp verkörpern könnte) Ein klassisch ausgebildeter Navigatoren-Kahuna z.B. kennt nicht nur die Namen und Konstellationen der Sterne am Himmel, er hat die Sterne "in sich" so daß er auch bei bedecktem Himmel immer nach den Sternen segeln kann.

Mit etwas Glück kann man heute wieder einen Kahuna treffen. Die US-amerikanische Regierung hatte jahrzehntelang bis vor wenigen Jahren ganz offiziell vieles, was genuin hawaiianisch war, verboten. (z.B. die hawaiianische Sprache in der Schule oder bei öffentlichen Gelegenheiten zu benutzen.) Das ist besonders wirksam in einer Kultur, die keine schriftliche Überlieferung kannte. Dafür gab es aber die ausgefeilteste und vielschichtigste Weitergabe von Geschichte und Tradition auf anderen, dieser Kultur eigenen Wegen. (Hula z.B., von den christlichen Missionaren schon im 19. Jahrhundert verboten, weil als zu sexy empfunden, war in Wirklichkeit gleichzeitig das historische Archiv der Hawaiianer, worin ihre eigene Geschichte bis ins kleinste Detail festgehalten und durch die Zeichensprache des Tanzes wiedergegeben wurde). Unter anderem war auch per Staatsgesetz verboten, daß Kahuna ihren Beruf ausüben. Dies und genauso die "moderne Denkweise" der Hawaiianer sind der Grund dafür, daß laut Kahu heutzutage auf den hawaiianischen Inseln nur noch eine Handvoll Kahuna übrig sind, die ihre Kunst ausüben. Man kann sie nicht im Telefonbuch finden, aber es gibt sie und sie üben ihre Künste aus und lassen andere an ihrer Weisheit teilhaben.

So hat Max Freedom Long, der durch sein Buch über die Weisheit der Kahuna: "Geheimes Wissen hinter Wundern" "Huna" im Westen bekannt gemacht hat, selber nie einen Kahuna getroffen. Er sammelte Informationen über Kahuna aus zweiter, dritter und vierter Hand und baute daraus ein - eigenes - System zusammen, das in sich bewundernswert schlüssig ist und funktioniert, und das er "Huna" nannte. Daß dies mit dem Selbstverständnis und der Praxis von Kahuna wenig gemein hat, wissen die begeisterten "Huna"-Anhänger im Westen meist nicht.

Im Hause eines Kahuna

Um hawaiianische Körperarbeit zu lernen fuhr ich vor etlichen Jahren nach Hawaii und landete dabei ohne es zu wissen im Haus eines Kahuna.
Der langgestreckte Tisch ist dicht mit Schüssel bedeckt. Zwischen den verschiedensten Speisen bleibt kaum noch Platz für die Wasserkannen und Gläser. Verschiedene Fleischgerichte, Fisch, Kartoffeln und Reis, Poi, Gemüse, Salat, Bekanntes und Unbekanntes. Auch um den Tisch herum sitzen wir so dicht, daß keiner mehr dazwischen passen würde. Alle essen mehr oder weniger schweigend. Ab und zu ein Blick nach oben zu den Lampen. Der Schwarm von Insekten, die ums Licht kreisen, wird immer dichter und über kurz oder lang werden welche in die Schüsseln purzeln. Kahu wirft einen Blick auf den wachsenden Schwarm und sagt: "Wir werden die Termiten mit Hilfe einer Illusion beseitigen." Er schickt jemanden in die Küche, eine große Blechschüssel mit Wasser holen. Er steigt auf seinen Stuhl und hält die Schüssel unters Licht, genau unter den Termitenschwarm, und wenige Sekunden später schwimmen alle Termiten auf der Wasseroberfläche. Dem Glitzern der Lichtreflexion im Wasser konnten sie nicht widerstehen.

Unterricht: Navigatorentraining - Bedingungslos und 100 Prozent

Während des Trainings in Hawaiianischer Körperarbeit. Beginn der morgendlichen Übungen. Alle SchülerInnen stehen erwartungsvoll auf ihrem Platz im Klassenzimmer in der Erwartung, daß das "Flying" beginnt. Ein Chant durchschneidet die Stille; hawaiianische Worte, die wir nicht verstehen, die aber geladen sind mit einer Intensität, daß ich schwitze und friere gleichzeitig. Dann erinnert uns Ho'okahi, Kahus Frau, die uns unterrichtet, auf Englisch an unsere Möglichkeiten hier: "Ihr seid im Haus eines Kahuna! Ein Kahuna macht alles, was er beginnt, ganz. Es gibt kein versuchen, probieren. Ein Kahuna gibt immer 100%. Wenn er etwas zusagt, wird es vollkommen getan. Dies ist ein Bezugsrahmen, innerhalb dessen ihr unendlich weit kommen könnt. Das Zusammensein mit einem Kahuna galt immer als unbezahlbares Privileg. Früher hieß das, soundso viel deiner Ernte, und ein oder zwei deiner Kinder ins Haus des Kahuna als Bezahlung für ein zweites Jahr Unterricht in seinem Haus, wenn du im ersten nicht erfolgreich warst. Und die betreffende Familie pries sich glücklich, Kinder ins Haus des Kahuna zu schicken, wo sie unendlich viel profitieren konnten und den Rang der Familie aufwerteten. Wenn er dein Leben rettete, gehörte ihm dein Leben ganz. Wenn du selber nicht bereit bist, 100% zu geben - was erwartest du, zu bekommen? Du mußt wissen, wer du bist! Mit jedem Wort, mit jeder Bewegung, mit jeder Handlung sagst du dir selber, wer du bist... In Kahus Ausbildung gab es niemanden, der ihm auf die Schulter geklopft hat und sagte: das hast du gut gemacht - der größte Teil der Ausbildung lief nonverbal - und wir machen das heute mit ein paar Worten mehr. Du mußt wissen, wer du bist. Niemand anderes kann es dir sagen. Das einzige Zeichen, woran man damals merken konnte, daß man Fortschritte gemacht hatte, war, daß man eine neue Aufgabe bekam"

Navigatoren einst und heute.

"Star come, star go, island come, island go. I am the center of the universe" ist das Bewußtsein eines Navigatoren-Kahuna jeden Augenblick seines Lebens. Bisweilen waren ganze Sippen - oft mit völlig unberechenbaren und willkürlichen Häuptlingen - auf den Booten unterwegs irgendwo zwischen Hawaii und Tahiti um zum Beispiel neue Inseln zu finden. Wenn die Steuerleute auf hoher See dann nicht hundert Prozent bei sich gewesen wären, wenn sie sich den kleinsten Fehler, die aller kleinste Irritation erlaubt hätten, statt sich als Zentrum des Universums zu fühlen, wäre das unter Umständen der Untergang der ganzen Sippe gewesen. Kahu ist neben anderem ein Navigator-Kahuna. Und auch in dieser (heutigen) Ausbildung geht es um Navigation. "Der Körper ist dein Fahrzeug, mit dem du durchs Leben steuerst." fährt Ho'okahi fort,"Wenn du einen Augenblick unbewußt bist und ein Kind totfährst, willst du dann sagen: Oh, Entschuldigung, tut mir leid? Es geht darum, mit dem Körper vollkommen bewußt, vollkommen präsent im Hier und Jetzt zu sein, so daß du dein "Fahrzeug" fließend und harmonisch durch alle Bereiche des Lebens steuern kannst. Von hier aus - vollkommen präsent im Körper - öffnen sich Türen in andere Ebenen der Wahrnehmung.

Die Navigatoren erreichten durch dieses Training schließlich eine solche Erweiterung des Bewußtseins, daß sie z.B. am Geschmack des Meerwassers erkennen konnten, in welchem Teil des Ozeans sie sich befanden. Kahu sagt, einige von den berühmtesten der Navigatoren-Kahuna, von denen abends am Feuer erzählt wurde, waren - blind."

Essen: Alltägliche Überraschungen

Das Essen ist Teil des Trainings und auch hier das Prinzip, aus der Erfahrung zu lernen. Die Worte zu predigen, daß das Universum genug und Überfluß für alle bereit hält, ist nichts gegenüber der Erfahrung, sich jeden Tag ganz sinnlich an dieser Fülle weiden zu können und daß auf jeden Fall eine Auswahl an gekonnt zubereiteter Nahrung zur Verfügung steht, wo jeder etwas Passendes und Leckeres für sich zu Essen findet. Dies ist geeignet, Ausdehnung auf vielen Ebenen anzuregen. Zusätzlich werden bestimmte Gerichte und die Zubereitungsart der Lebensmittel dafür eingesetzt, unser Fortschreiten im Training zu unterstützen oder individuelle körperliche Gegebenheiten zu verbessern.

Wieder sitzt die ganze Gruppe beim Abendessen. Neben marinierten Thunfischsteaks und rohem Fisch mit Tang gibt es Königsberger Klopse, Schupfnudeln, gegrillte Lammkoteletts, Nudelsalat, Reis, Salate, Poi und verschiedene frische Gemüse. Ein Abschiedsessen für einen Teil der Gruppe, der wieder nach Deutschland zurückfährt. Den rohen Fisch und vor allem Poi, den Brei aus der Taroknolle, habe ich seit meinem zweiten Hawaiiaufenthalt lieben gelernt. Aber woher wußten sie, daß Schupfnudeln eines meiner Leibgerichte ist? Die kennt man doch eigentlich nur in Schwaben. Ich habe jedenfalls mit niemandem darüber gesprochen. Es gibt wohl nichts, was diese Küche nicht hervorbringen könnte. Es ist schon vorgekommen, daß ich bei mir dachte, so ein richtiger gewöhnlicher selbstgekochter Schokoladenpudding mit Schlagsahne, das wäre was Tolles!, und am selbigen Abend stand er als Nachtisch auf dem Tisch. Und sowas ist mir nicht nur einmal passiert.- Das Essen geleitet mich innerlich schon auf den Weg nach Hause. Und das ist natürlich auch beabsichtigt.

Kahuna-Philosophie: Alles ist Teil Deiner Familie

In der hawaiianischen Gesellschaft und im spirituellen Leben hatte und hat die "Familie" einen ganz besonderen Stellenwert. Nicht nur die lebenden Verwandten, sondern auch alle Vorfahren gehörten zum lebendigen "Körper" der Familie . Gleichzeitig, auf einer anderen Ebene werden nicht nur die Blutsverwandten als "Familie" angesehen. Alle Menschen, mit denen ich in Kontakt gekommen bin, alle Lebewesen, mit denen ich zu tun habe, ja alle Dinge, die ich berühre, die in meinem Existenzraum sind, gehören zu meiner Familie. Diese Perspektive beinhaltet automatisch eine sehr persönliche Beziehung zu allem und jedem; alles ist ein Teil von mir und ich bin ein Teil von allem - und ein Verstehen und Mitfühlen der Vorgänge der Natur und auch aller von Menschen geschaffenen Dinge, das aus dem Verstehen der eigenen menschlichen Natur erwächst. Ein Mangel an Respekt gegenüber "Dingen" korreliert also mit mangelndem Selbstrespekt, bzw. ein Mensch, der sich seiner eigenen Würde bewußt ist, behandelt dann automatisch seine "Umwelt" entsprechend respektvoll. In der Kahuna Philosophie sind auch alle Teile meines Körpers, ja, sogar alle meine "Gedanken Taten, Furcht, Wut und Trauer, Urteile, Entscheidungen, alle Erinnerungen, und Freude, und alle Fähigkeiten, meine Größe, und Intelligenz" - alles Familienmitglieder. (Ho'okahi) "Würde" ist dabei ein Schlüsselbegriff. Dir Deiner Würde bewußt zu sein heißt zu wissen, wer Du wirklich bist: SchöpferIn deines Lebens und ChefIn dieser unendlichen Familie. Dann kannst Du Dich auch zum Narren machen und dennoch im Bewußtsein deiner Würde bleiben.

Auch der Umgang mit den Tieren ergibt sich aus dieser Einstellung: In den alten Tagen wurden niemals mehr Tiere getötet, als man zum Essen brauchte. Und jeder Teil, der nicht gegessen wurde, wurde in anderer Weise verwertet. Jäger gingen nicht auf die Jagd, sondern in ein spirituelles Retreat. Solange, bis das Tier erschien, das sich zum Essen hingab.

"Bist du dir bewußt, daß du den Bruder Hase ißt? Dann tu es mit Dankbarkeit, Respekt und Genuß. Bist du dir bewußt daß auch die Weintrauben Bewußtsein sind? Dann iß sie mit Begeisterung, und sie werden dir mit Jubel im Mund zerplatzen." (Kahu)

Ein "wahrer" Zauber

Kahuna Aua'ia Maka'i'ole, Uliama, als Abraham Kawaii bekannt ist ein Kahuna, der weiß, wer er ist und es lebt. Er weiß, daß auch alle anderen das sind: nämlich unbegrenzte, ewige göttliche Wesen, Schöpfer - und wartet darauf, daß sie es endlich auch begreifen.

Was zieht mich in sein Haus? Sicher, er kann gebrochene Knochen in wenigen Stunden heilen und ist auf dem Laufenden über die neuesten medizinischen Errungenschaften aus der Weltraumforschung; ja, er kann ergreifende Rituale abhalten; ja, er kann die Zeichen der Natur und des menschlichen Körpers und aller ihn umgebenden Dinge lesen. Ja, er fürchtet sich nicht, besessene Menschen, mit denen sonst niemand fertig wird, zu befreien; ja, er weiß, wo eine Wasserader zu finden ist, ja, er hält sich auch ohne Zauberpilze in anderen Realitäten auf....und noch viel mehr. Doch sind das für ihn nur die Blumen am Wegrand. Wenn man sich in sie verliebt, bei ihnen stehen bleibt und sich aufhält, kommt man nie durchs Tor. Vieles an dem "wunderbaren" Teil des alten Wissens, all das, was uns mit dem gewöhnlichen Verstand als Wunder erscheint, beruht doch nur auf der konsequenten Anwendung der natürlichen Prinzipien des Lebens. Was mich wieder und wieder ins Haus dieses Kahuna zieht, ist die Unbedingtheit, mit der getan wird, statt nur zu sagen; das "Jetzt, nicht morgen!" Sein, anstatt: hätte, wäre, sollte, falls, wenn und vielleicht...., und eine unaufdringliche aber alle und alles einbeziehende Atmosphäre von Respekt und Mitgefühl. Die einzige Erwartung an die Schüler ist, daß sie finden und sein sollen, wer sie wirklich sind. Dafür gibt es kaum Grenzen.

Mir wird bewußt, daß es Welten gibt, die ich gerade beginne zu ahnen, innerhalb von Welten, und in diesen wiederum Welten... bis ins Unendliche.

Und immer wieder taucht diese Unbegrenztheit, von der ich so lange geträumt habe, als Realität auf; ich bekomme einen Geschmack davon, wer ich bin und wer ich sein kann. Das macht mir bisweilen Schwindel und Herzrasen, ohne diese Perspektive möchte ich aber nicht mehr leben. Mit dieser Perspektive bin ich gespannt darauf, nach Hause zu kommen, neue Herausforderungen und Erfahrungen zu finden, zu sein.... all das, was ich bin jenseits meiner gewohnten Konzepte.

"Wir müssen die Schönheit unseres Seins begreifen, den vollmächtigen Ausdruck dessen, wer wir sind, hier und jetzt. Sein oder nicht sein ist nicht die Frage. Was ist, war immer schon die Antwort" Kahuna Aua'ia Maka'i'ole, Uliama (Abraham Kawaii)

*(Pali Jae Lee und Koko Willis: Tales from die Night Rainbow, 4. Aufl. Honolulu, 1994)

 

 

 

   

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